Sonntag, 29. Juli 2012

EINUNDVIERZIG


Leise rascheln die Büsche und Bäume im Wind. Ich stehe an deinem kleinen Fenster, beobachte die Wolken vorbeiziehen, mein Kopf ruht an der kühlen Wand.
„ Es riecht nach Regen“ sage ich nach der langen, angenehmen Stille.
„Weißt du noch, wie der Geruch heißt?“ fragst du, ich schüttle den Kopf, bis mir auffällt, dass du das von deinem Bett aus gar nicht sehen kannst, verneine und schließe die Augen.
Ich höre, wie du leise aufstehst, dein Bett ächzt, aber ich drehe mich nicht um.
Langsam gleiten deine Hände über meine Hüften, unter mein -shirt, deine kühlen Hände legen sich auf meinen Bauch und du ziehst mich an dich. Eine Gänsehaut durchfährt mich, als du anfängt, meinen Nacken und meine Schulter zu küssen, meine Augen öffnen sich und ich ziehe dich näher an mich heran, meine Hände ruhen auf deinen Armen und ich schmiege mich an dich.
Eine deiner Hände löst sich aus dieser Umarmung, legt sich an mein Kinn und dreht es behutsam in deine Richtung, ich sehe in dein Gesicht, ein Lächeln umspielt deine Lippen, aber es ist nicht dieses arrogante, überhebliche Lächeln, das ich von dir gewohnt bin, dieses ist neu, anders, liebevoll.
Ich beiße mir auf die Lippe, du machst mich nervös und dein Blick lässt mich zittern.
„ Ich lieb dich.“ sagst du, immer noch mit der Hand an meinem Kinn, mir immer noch in die Augen sehend, immer noch mit diesem neuen Lächeln.
Mein Herz klopft, schlägt, donnert so heftig, dass ich mich frage, weshalb du es nicht hören kannst. Wieder durchschießt mich eine Gänsehautwelle, ich blicke zu Boden, weil ich deinem Blick nie lange standhalten kann.
„ Ich lieb dich auch, Idiot“ flüstere ich.
Deine Hand hebt meinen Kopf, du küsst mich, hebst mich hoch, trägst mich durch dein Zimmer zu deinem Bett, während deine Lippen auf meinen ruhen.
Vorsichtig, als wäre ich aus Glas, legst du mich auf dein Bett, lässt dich neben mir fallen, dein Kopf neben meinem.
Behutsam streichst du mir meine Haare aus dem Gesicht, deine Finger verharren in meinem Nacken, streichen meinen Rücken entlang.
Dann ziehst du mich plötzlich so heftig an dich, als hättest du Angst, ich sei im nächsten Moment nicht mehr neben dir, nicht mehr an deiner Seite.
Ich vergrabe meinen Kopf an deiner Brust, meine Fingerspitzen streichen über deinen Rücken, ich schließe wieder die Augen.
Leise atmest du in mein Ohr und ich weiß, dass ich nie so glücklich war wie jetzt.

Mittwoch, 18. Juli 2012

VIERZIG

Der Monitor verschwimmt vor meinen Augen, Facebook-blau und Facebook-weiß vermischt sich zu einer unidentifizierbaren Masse. Jeder deiner Sätze schneidet ein Stück aus mir heraus, jedes Wort trieft vor Abwertung, Desinteresse, mir wird so schlecht.
Meine Fingernägel bohren sich in meine Handflächen, immer tiefer, aber ich spüre nichts. Kleine rote Halbmonde formen sich, fangen an zu brennen.
Komm mal klar Jessi.
Klar kommen... Wie soll ich klar kommen, wie einen klaren Gedanken fassen, wenn du nicht verstehst, wie sehr du mich verletzt, was deine Sätze in mir auslösen, wie sie mir die Luft nehmen, mich agressiv und so unglaublich traurig zugleich machen. Tu du mir doch bitte nicht auch noch weh! will ich schreiben, aber meine Finger beenden schon den letzten Satz: Gut, dann viel Spaß noch in Zukunft.
Ich schließe die Augen, krümme mich, alles tut weh, will mich nicht bewegen, alles tut weh.
Die Kapuze über den Kopf gezogen kauer ich vor meinem Laptop, fünf Minuten, eine halbe Stunde, ein gesamtes Leben, ich weiß es nicht. Mein Zeitgefühl lässt mich im Stich, meine Welt dreht sich, als hätte ich eine Flasche Wodka getrunken, komm mal klar dröhnt in meinem Kopf, schwirrt umher, dringt in jede Zelle, fließt durch jede Nervenbahn.
Wenn du wüsstest! will ich dir entgegenschreien. Gott, wenn du wüsstest!.
Aber du weißt nicht. Du weißt nichts.

Freitag, 13. Juli 2012

NEUNUNDDREISSIG

Ich liege neben dir im Bett, mein Kopf versinkt an deiner Schulter, deinem Hals. Ich schließe die Augen, meine Hände fahren durch deine Haare, ich kralle mich leicht in deinen Hinterkopf, atme dich ein.
Hmm, ich liebe diesen Geruch, dein Deo, dein Parfüm, ich weiß es nicht, aber es riecht so verdammt lecker.
Nach einer gefühlten Ewigkeit öffne ich meine Augen wieder, sehe dich an, blicke in deine Augen. Deine verdammt blauen Augen, ich habe noch nie so blaue Augen gesehen.
Mein Daumen fährt über deine Wange, ich male deine feine Narbe nach, aber sie macht dich nicht hässlich, nein. Sie macht dich sogar noch schöner,  so herrlich unperfekt.
Ich beiße mir auf die Lippe, unterdrücke ein Lachen und frage mich gleichzeitig, warum ich das Bedürfnis habe, einfach loszulachen. Das ist alles so verdammt kitschig schießt es mir durch den Kopf, ich grinse dich an und zeichne weiter an deiner Narbe.
Du siehst mich an, verziehst deinen Mund zu deinem spöttischen, arroganten Lächeln, streichst mir durch die Haare.
Und dann küsst du mich.